Japan-Reise vom 7. bis 19. Oktober 2006

Dies ist ein Bericht über unsere Japan-Reise 2006 - und trotz der Länge: es gäbe noch viel mehr zu schreiben und zu zeigen: Also haben wir uns kurz gefasst:-)


„Dieses Austauschjahr war bislang das schönste und erfolgreichste“, so lautet das Resümee aller Beteiligten des deutsch-japanischen Kooperationsprojektes zwischen der Osnabrücker Völker-Schule und dem Century College in Kanazawa. 126 Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie Verwaltungsmitarbeiter haben das einzige deutsch-japanische Austauschprogramm zwischen zwei Berufsfachschulen für Ergotherapie und Physiotherapie seit seiner Initiierung im September 2003 durch gegenseitige Besuche mit Leben erfüllt. Durch die Unterstützung des Takenoko-Fonds - der von Daimler Chrysler und deren japanischer Tochter Mitsubishi Fuso gespeist wird - konnten dieses Jahr vom 7. bis 19.10. 2006 so viele Schülerinnen wie noch nie den 12tägigen Aufenthalt in Kanazawa und Tokio genießen. Viele Elemente dieser Reise waren neu: die größere Zahl an Beteiligten, das erweitere Arbeitsprogramm vor Ort und der anschließende Aufenthalt in Tokio. Alle Zielsetzungen dieser Reise, die im Kontext des gesamten Austauschprogramms zu sehen sind, wurden erreicht: die Festigung bestehender persönlichen Beziehungen, die Entstehung neuer Freundschaften, der Austausch von Ausbildungsinhalten aus dem japanischen und deutschen Curriculum, der Unterricht der deutschen Lehrer in japanischen Klassen und der deutschen Schüler durch japanische Lehrer, das Kennenlernen von Einrichtungen und Strukturen des japanischen Gesundheitssystems und die Festlegung der Aktivitäten 2007.


1. und 2. Tag - Die Anreise

Die Reisedauer - je nach Anschlussflügen und Zwischenaufenthalten zwischen 24 bis 36 Stunden pro Strecke - schien für einige Teilnehmer denn auch der einzige Wermutstropfen zu sein  - "Wenn der Flug nicht soooo lange dauern würde, wäre ich gerne viel öfter dort", wobei das pralle Programm gar keine Zeit für Müdigkeit ließ. Bereits nach der Ankunft auf dem Flughafen Narita wurde die Flughafenambulanz besichtigt, einschließlich einer Fahrt mit einem Rettungswagen und so konnten erste Eindrücke von der Gastfreundschaft und dem hohen Niveau der medizinischen Möglichkeiten in Japan gewonnen werden. Nach dem Weiterflug nach Komatsu folgte dann der Empfang durch die japanischen Gastfamilien am Flughafen und die erste Nacht in Japan. Die Unterbringung bei japanischen Gastfamilien der neun Schülerinnen und zwei Lehrer war ein Wiedersehen von Freunden, da die japanischen Gastgeber Anfang September die Völker-Schule besucht hatten und natürlich während ihres Aufenthaltes in Osnabrück bei den deutschen Besuchern für 10 Tage ein „deutsches Zuhause“ gefunden hatten.


Kenrokuen-Garten Markt in Kanazawa Flughafen Komatsu Begrüßung


3. & 4. Tag

Montag, 9.10.06, war ein Feiertag, so dass eine ausführliche Erkundung von Kanazawa in Begleitung und unter Organisation der japanischen Freunde erfolgte. Da die Stadt während des zweiten Weltkrieges keinerlei Schäden erlitten hat, gab es das traditionelle Japan in aller Ausführlichkeit zu bewundern: der Myoryuji-Tempel, der Kenrokuen-Garden, welcher zu den drei perfekten Gärten Japans gehört, das Ishikawa-Mon als einziger Rest des Schlosses von Kanazawa und das sehr gut erhaltene ehemalige Samurai-Viertel hinterließen nachhaltige Kultureindrücke. Das moderne Japan wurde dann beim jährlichen Kanazawa-Festival erkundet, aus dessen Anlass die Stadt zahlreiche Attraktionen aufgeboten hatte. Mit einem gemeinsamen Essen in einem traditionellen japanischen Restaurant klang der erste „Arbeitstag“ aus.

Am Dienstag, 10.10.06, wurden „the friends form Germany“ vom Schuldirektorium und Vorstand unter Leitung von Chairman Ichiro Tsuba und dem Kollegium begrüßt. Nach einer ausführlichen Schulführung stand dann die erste Teilnahme am japanischen Unterricht auf dem Programm. Damit der letzte Rest von Müdigkeit schwand, stand Judo auf dem Stundenplan, und durch die japanische Rücksichtnahme gewann sogar die ein oder andere Schülerin eine Runde, obwohl verständlicherweise zwischen dem japanischen und deutschen Leistungsniveau in der Tat Kontinente liegen. Am Abend folgte die weitere körperliche Ertüchtigung beim gemeinsamen Bowling und folgender Stärkung in einem modernen japanischen Restaurant.


Ergotherapeuten im Unterricht. Teehaus in Kanazawa Beim gemeinsamen Sport


5. & 6. Tag

Mittwoch, 11.10.06, war ein voller Schultag mit "durchaus etwas anderen Unterrichtsmethoden als in der Völker-Schule“: Um die theoretischen Grundlagen in der Elektrotherapie zu vermitteln, wurde an lebenden Fröschen die Wirkung des Stroms auf die Muskulatur demonstriert. Die weitere hochmoderne apparative Ausstattung des Century College muss den Vergleich mit deutschen Universitäten nicht scheuen und ist in der deutschen Berufsausbildung an Schulen bislang unbekannt. Direkt nach Unterrichtsschluss hieß es: rein in die City, Besuch der neuen Kanazawa Station mit Shopping-Mall, Markthalle, Dinner in einer Sushi-Bar und anschließend wieder zurück ins Century College mit nächtlicher outside-party auf dem Schulhof - einschließlich Feuerwerk. Schon lange hatten die Schülerinnen und Lehrer aufgehört, die wenigen Stunden zu zählen, in denen nichts passierte - außer Schlafen.

Der Vormittag des sechsten Reisetages, Donnerstag, 12.10.06, vermittelte ausführliche Einblicke in die handwerklichen Anforderungen der schulischen Ergotherapie-Ausbildung. Hier sind die Gemeinsamkeiten zwischen dem japanischen und deutschen System sehr groß, was die Anzahl der Unterrichtsstunden in diesem Bereich angeht, auch wenn natürlich die Materialauswahl durch die jeweiligen Kultur andere Schwerpunkte setzt: Bambus statt Peddigrohr, handgeschöpftes Papier statt konfektionierter Ware usw. Der Nachmittag brachte dann neue Eindrücke vom System der Hilfsmittelversorgung in Japan. Der Besuch des Welfare Centers Kanazawas beeindruckte die deutschen Gäste durch seine Größe und Vielfalt des Angebotes: auf über tausend Quadratmetern wurden in unzähligen Variationen alle Hilfsmittel für Patienten zum Verkauf angeboten, natürlich von einer fundierten fachlichen Beratung begleitet. Der anschließende Hafenbesuch und die Erholungsphase in den Spar Hot Springs gab neue Energie für das Dinner aller japanischen und deutschen Teilnehmer in einer japanischen Familie.


Schülergruppe im Kenrokuen-Garten Gruppenbild mit Geishas  Gruppe im Kimono


7. & 8. Tag

Ein grundsätzlicher Unterschied zwischen japanischem und deutschem Gesundheitssystem konnte dann am Freitag, 13.10.06, erlebt werden. Im Ishikawa Rehabilitation Hospital erfolgt die zentrale Versorgung eines Großteils der Patienten aus der Präfektur Ishikawa, denn ambulante Praxen für Ergotherapie und Physiotherapie existieren bislang nicht. Ebenso erfolgt die Behandlung traditionell in Gruppen, Einzelbehandlungen sind so gut wie unbekannt. Die Besichtigung einer Orthopädiewerkstatt rundete den Eindruck von der hohen Qualität und großen Leistungsfähigkeit des japanischen Gesundheitssystems ab. Die oft beobachtete räumliche Einschränkung in japanischen Ballungszentren fand keinen Niederschlag in den besuchten Gesundheitseinrichtungen, in denen die außerordentliche räumliche Großzügigkeit beeindruckte. Den Abend füllten Streifzüge durch die angesagten Szenenorte von Kanazawa, gemeinsam mit einer immer größer werdenden Schar japanischer Freude, da inzwischen nicht nur die am Austauschprogramm direkt beteiligten Schüler, sondern auch deren Freunde mit ihren deutschen Gästen die Nacht zum Tag machten.

Samstag, 14.10.06 - natürlich war kein freier Schultag. In Vorbereitung auf das am Tage darauf anstehende Schulfestival wurde von allen Seiten kräftig mit angepackt, Stände aufgebaut und - da die deutschen Gäste mit einem eigenen Stand vertreten waren - dieser von allen Seiten inspiziert. Nebenbei übten die deutschen Schülerinnen noch einen japanischen Tanz ein, unter tatkräftiger Anleitung und mit Unterstützung der japanischen Freunde. Die erste kleine Verschnaufpause gab es dann am Samstagnachmittag, bevor zur nächtlichen Stadtführung in Kanazawa aufgebrochen wurde. Als kleines Gastgeschenk bekochten die deutschen Schülerinnen dann ihre Gastgeber mit typisch deutschen Gerichten, was sich bei den vorhandenen japanischen Zutaten nicht als ganz so einfach herausstellte, so dass die ein oder andere mitgebrachte Zutat aus Deutschland sich als sehr hilfreich erwies.


Tanz beim Schulfest Rehazentrum der Präfektur Ishikawa Massage beim Schulfest


9. & 10. Tag

Der wichtigste Tag im Jahr des Century College wurde am Sonntag, 15.10.06, begangen: das jährliche Schulfestival wurden von allen Schülern und Lehrern des Century College, Angehörigen und viele Interessenten besucht. An zahlreichen Ständen im College und auf dem College-Gelände wurde die Ausbildung der Physiotherapeuten und Ergotherapeuten vorgestellt sowie selbstgekochtes Essen verkauft. Die Schulband begleitete den beliebten Verkleidungswettbewerb, und der deutsche Informationsstand fand bei den japanischen Besuchern großes Interesse. Das Massageangebot der deutschen Physiotherapeutinnen wurde gerne angenommen, ebenso die Demonstrationen ergotherapeutischer Behandlungsmethoden. Ein Höhepunkt des Schulfestivals war die gemeinsame Aufführung eines japanischen Tanzes durch die japanischen und deutschen Schüler. Das Ende des Festivals war leider gleichzeitig der Schlusspunkt des Besuches der deutschen Gruppe, denn am nächsten Morgen hieß es: Weiterflug nach Tokio bzw. Rückflug nach Deutschland. So wurde der Abschied ausgiebig mit einer Farewell-Party auf dem College-Areal gefeiert.

 Montag, 16.10.06, war dann Reisetag. Zwei Teilnehmer flogen via Komatsu und Narita zurück nach Deutschland, die restliche 9er-Gruppe stürzte sich in das Abenteuer Tokio, denn keiner der Teilnehmerinnen hat Japans Hauptstadt bislang besucht. Der Abschied auf dem Flughafen Komatsu, zu dem alle Lehrer und gastgebenden Schüler mitgefahren waren, war sehr tränenreich und nur durch das Versprechen und die Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen einigermaßen erträglich. Nach Ankunft in Tokio wurde die erste Bewährungsprobe, die Benutzung des öffentlichen Verkehrssystems, mit Bravour bewältigt. Die Unterbringung im Park Hotel Tokio war durch die zentrale Lage der optimale Ausgangsort für die Erkundungen der Metropole und wurde noch am ersten Abend genutzt, um auf dem Tokio Tower Eindrücke von der überwältigenden Größe der Stadt zu gewinnen.


Abschied am Flughafen Komatsu Bei Mitsubishi-Fuso in Tokyo Tokyo bei Nacht


11. & 12. Tag

Dienstag, 17.10.06, begann mit einem Höhepunkt der gesamten Reise, dem Besuch bei Mitsubishi Fuso. Die Gruppe wurde mit eigenem Bus unter Betreuung von Frau Kanai vom Hotel abgeholt und schon auf der Fahrt deutschsprachig mit vielen Informationen versorgt. Der Empfang im Hauptquartier von Mitsubishi Fuso, das Gespräch mit dem Pressesprecher Herrn Behrens und die nachfolgenden Gespräche und Informationen über das Austauschprogramm und Mitsubishi Fuso gaben vertiefte Einblicke. Die Besichtigung der LKW-Produktion machte deutlich, warum die japanische Fahrzeugindustrie als leistungsfähigste weltweit gilt. Reichlich beschenkt verabschiedete sich die Gruppe nach drei Stunden, um während der zweiten Hälfte des Tages den Meiji-Schrein und Tokio Tocho zu besichtigen.

Der letzte ganze Tag in Tokio, Mittwoch, 18.10.06, war mit weiteren ausführlichen Erkundungen - Sensoji-Tempel, Kyoko Higashi Gyoen, Ueno Koen und Odaiba - und ausgedehntem Shopping ausgefüllt wurde und mit einem letzten gemeinsamen Abendessen abgeschlossen. Vor der Fahrt zum Flughafen Narita dann am frühen Donnerstagmorgen, 19.10.06, ein abschließender Besuch auf dem Fischmarkt und dann mit viel Heimweh nach Kanazawa und Japan der Antritt der Rückreise über Paris und Düsseldorf nach Osnabrück, mitten hinein in die Herbstferien, die zur Regeneration und Verarbeitung der unzähligen Eindrücke genutzt wurden.


Ausblick

Bereits im Dezember 2006 wurde durch Besuch von zwei Lehrern des Century College in der Völker-Schule die inhaltliche Kooperation bei der Ausbildung der Physiotherapeuten und Ergotherapeuten weiter vertieft: ein gemeinsames Modul zur Optimierung des Anatomieunterrichtes, mit dem das Century College seit einem Jahr arbeitet, wird demnächst auch in Osnabrück eingesetzt. Weiterhin wird zurzeit an einer Online-Plattform gearbeitet, damit der direkte Informationsaustausch noch effizienter erfolgen kann. Der nächste Besuch der japanischen Lehrer und Schüler ist für Mai 2007 geplant, im Oktober 2007 soll dann unser Gegenbesuch erfolgen.


zurückdruckentop